Das Bastabjahr – endlich mal Pause von der Freizeit

Seit langem schreibe ich mal wieder etwas für meine Präsenz im Internet. Gefühlt war ich Jahre nicht mehr aktiv. Ein Blick auf die Logs belehrt mich eines Besseren. Zwar fanden nur wenig Beiträge den Weg auf meine Seite, die Seite selbst wurde jedoch mit einem neuen Design versorgt und wer sich meine Projekte etc. anschaut, sieht sehr schnell, dass ich anderweitig aktiv war. Und da inzwischen leider vieles, was ich an- oder verfasse einer definierten Vertraulichkeit unterliegt, ist es auch nicht mehr so einfach darüber zu schreiben. Außerdem war da noch was anderes.

Das Bastab – das Sabbatical mal andersherum, weil man gerne arbeitet

Ich hatte ein Bastab. Sie kennen das nicht? Es ist das Gegenteil von einem Sabbatjahr – neudeutsch: Sabbatical – eine längere Zeit des Sonderurlaubs. Ein Bastabjahr ist den Sabbat mal von Innen nach Außen gedreht, also andersherum.

Zunächst sei aber erwähnt: Ich arbeite gerne und meiner Meinung nach kommt der Begriff Beruf von Berufung. Entsprechend versuche ich auch häufig, meinen Beruf zum Hobby zu machen. Dieses Hobby kostet mich immer mind. zwei zusätzliche Stunden am Tag. Trotzdem hinterfrage ich gerne mein Tun und stelle fest, dass man eigentlich erst Teil der Gesellschaft ist, wenn man 24/7 arbeitet. So erfährt man es von erfolgreichen Unternehmern, man hört es von Kollegen/innen oder Führungskräften und oftmals sind auch die großen Vorbilder, diejenigen, die morgens um 4:30 Uhr aufstehen, um Sport zu machen und damit einen längeren Tag zu generieren. Ich wollte wissen, was da dran ist und ob ich mich besser fühle, wenn ich mehr arbeite.

Andere machen Pause, um sich bspw. selbst zu finden, einem persönlichen Ziel nachzugehen oder auch zu regenerieren. Ich wählte den umgekehrten Ansatz: Ich wollte ein bisschen mehr arbeiten, um herauszufinden, ob viel viel hilft. Man sich also etwas besser fühlt, wenn bspw. die Langweile ausbleibt. Ich kann doch schließlich erst sagen, dass etwas für mich nichts ist, wenn ich es auch ausprobiert habe. So ist ein kontrolliertes Hochfahren des Arbeitspensums eine sehr pragmatische Herangehensweise, um herauszufinden, ob einem viel Arbeit schadet oder ob man es evtl. sogar sehr gut findet. Für mich waren es aufschlussreiche Monate. Leider ist es mir nicht mehr möglich, zu sagen, wann mein Ich-Experiment begann, da ich mir im Bastab noch eine Pause gegönnt hatte. Darüber hinaus ist eine genaue Zeitangabe nicht möglich, weil zum einen das Bastab gegensätzliche Regeln des Sabbaticals besitzt (also wird kein genauer Zeitpunkt des Wiedereintritts ins normale Leben im Vorfeld festgelegt) und zum anderen sehen Sie hier eine erste Auswirkung des erhöhten Arbeitspensums im Bastab. Man kann sich nicht mehr genau daran erinnern, welcher Tag denn gerade ist oder wann man eine Person das letzte Mal getroffen hat, etc. Ein Zustand, der mir bisher nur aus dem Urlaub bekannt war 😉

Die Umwelt muss der „Reverse Völlerei“ zustimmen

Ähnlich eines Sabbaticals ist ein Bastabjahr eine Herausforderung für die gesamte Umwelt. So müssen sich Familie, Freunde und auch der eigene Körper auf die neuen Umstände anpassen. Man muss dem Freizeit-Chaos entfliehen. Jedes Wochenende eine andere Verabredung. Ständig mit der Familie etwas unternehmen, sich im Job Montagmorgens schon Gedanken machen, was man am Wochenende unternehmen könnte.

Im Bastabjahr geht es darum, möglichst viel zu arbeiten. Es geht darum, früher aufzustehen, damit man noch ein paar Meetings vorbereiten kann und nicht, weil Kind und Kegel gerade bespaßt werden wollen. Jeder muss die Umstellung unterstützen.

Zuviel ist einfach zu wenig

Ein großer Vorteil der Bastabjahre sind deren Vorbereitungszeit. Gilt es ein Sabbatical feingranular zu planen, damit es zu keinen Ausfallerscheinungen kommt oder man nach dem Sabbatical nicht mehr ins normale Leben zurückfindet, so ist das Bastab hinsichtlich der Vorbereitung weniger aufwändig. So kann man ohne Probleme Überstunden machen und sich mit mehr beschäftigen ohne vorher explizit zu planen, welchen Inhalt das „Mehr“ haben muss. Jedoch ist eine wesentliche Einschränkung im Vergleich zum Sabbatical vorhanden. Gilt im Sabbatical prinzipiell, dass man seine Gedanken treiben lassen kann, um die Umwelt oder auch sich selbst zu erfahren, so gilt im Bastabjahr allumfassende Disziplin, weil zuviel eigentlich zu wenig ist. Sind 100 % der Aufgaben erledigt, dann sollte man immer möglichst noch ein kleines Projekt in der Hinterhand haben, um dieses anzugehen. So wurden aus zwei Stunden mehr am Tag oftmals 4 oder sogar sechs Stunden. Was unter der Woche auf der Strecke blieb, musste am Wochenende nachgeholt werden.

Doch ist zuviel wirklich zu wenig und welche Auswirkungen hat ein erhöhtes Arbeitspensum auf die geistige Gesundheit (ich möchte hier nicht auf die körperliche Gesundheit eingehen, weil deren Mitleidenschaft schon alleine durch die Reduzierung des Schlafs auf der Hand liegt)?

Was lerne ich daraus

Ähnlich einem Sabbatical gehe ich gestärkt aus meinem Bastabjahr. Ich weiß jetzt sicher, dass ausschließliches Arbeiten und eine entsprechende Reduzierung der Freizeit nichts für mich ist. Es bedarf wie so oft im Leben einer gesunden Mischung. Ich bin zwar immer noch der Überzeugung, dass eine gewisse Stresssituation dem Körper auch gut tut und wir, wenn wir wirklich nur 7-8 Stunden am Tag arbeiten unser Potential eigentlich nicht ausschöpfen, weil es auf die verschiedenen Aufgaben ankommt, die wir in dieser Zeit erledigen (so gehört für mich auch ein Lernen am Arbeitsplatz zur Arbeit). Ich weiß aber inzwischen auch, dass es Aufgaben gibt, die den gesunden Geist im gesunden Körper verlangen. So wurde bspw. meine Kreativität stark von dem erhöhten Pensum beeinflusst. Intelligente Ideen, überlegte Entscheidungen bleiben auf der Strecke, da man für solche Dinge keine Zeit mehr besitzt.

Daher habe ich mir vorgenommen, das für mich perfekte Maß an Belastung beizubehalten und dieses möglichst nur temporär verändern zu müssen. Um dieses Maß zu finden, muss man aber auf die Suche gehen und Extrema finden, die man dann wieder reduzieren kann.

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