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Zerstört die Digitalisierung unsere Kreativität

Eine Entschuldigung gibt es nicht, dass ich so lange nichts mehr veröffentlicht habe. Ich kann nur versuchen zu erklären: ich war anderweitig aktiv. Lehraufträge, Vorträge, Projekte lassen einen manchmal die Wochenende mit etwas anderem verbringen als mit dem Nachdenken über Quergedachtes oder Querzudenkendes. Und trotzdem entstehen in einer solchen Zeit eine Vielzahl an Eindrücken und an Gedanken, die ich jetzt mal wieder aufs „Papier“ bringen möchte.
Zunächst gilt es die Spannungskurve möglichst flach zu halten, ich beginne ja gerade erst wieder zu schreiben, daher die Antwort: Ja, die Digitalisierung zerstört unsere Kreativität! Warum ist das so? Eine einfache Antwort: weil wir Menschen digitalisieren lassen. Wir sind leider im Zusammenhang mit der Nutzung von IT von derart vielen Informationen umgeben und müssen ein Vielzahl an Entscheidungen treffen, da kann es schon mal passieren, dass man nicht ganzheitlich digital transformiert, sondern lediglich einen Teilbereich in die digitale Welt schafft.

Die Erstellung eines Abfallproduktes ist das Ziel

Genau an dieser Stelle existiert das Problem, meiner Meinung nach. Wir digitalisieren gerne mit einem Ziel: schneller, effizienter, billiger. Gerade im Zusammenhang mit Kreativität besteht das Problem in der Tatsache, dass Kreativität kein Ziel hat. Im Rahmen der Anwendung von Kreativität entsteht meist ein „Abfallprodukt“: das Neue, das Innovative. Wie sollen wir jetzt einen Prozess digitalisieren, der eigentlich kein Ziel hat, bei dem das Abfallprodukt das Ziel ist?

Sämtliche IT-ler werden argumentieren: aber mit IT können wir die gesamte Kreativität der Welt vernetzen. So werden kreative Menschen noch kreativer, weil sie sich mit kreativem Menschen austauschen können. Doch ist das wirklich so und schaffen wir es schon mit der IT eine derartig natürliche Vernetzung zu realisieren? Und vor allem: möchte ein kreativer Mensch sich mit anderen kreativen Menschen wirklich austauschen? Stellen Sie sich vor, Sie malen ein Bild und ständig sagt Ihnen jemand wie man es besser oder zumindest anders machen könnte. Geht damit nicht das einzigartig, individuelle, kreative Werkstück verloren, weil es in der Community entsteht. Meiner Meinung: Ja und Nein!

Kontextsensitiver Kreativitätssupport

Ja, ein Werk geschaffen von vielen ist kein individuelles Werk mehr, aber evtl. liefern die vielen nur die Inspiration und nicht Teile der Arbeit. Wie wäre eine Software, die dem Künstler, wenn diese bemerkt, dass er gerade eine Denkblockade hat, auf einmal auf Basis des bisher erarbeiteten Vorschläge zeigt, wie andere Künstler weitergemacht haben. So könnte die Community in der Kreativität unterstützen, das Ergebnis wäre aber weiterhin individuell. Kontextsensitiver Kreativitätssupport, der sich softwarebasiert in verschiedene kreative Prozesse einschaltet. Wahrscheinlich ist an dieser Sache Adobe schon dran. Spannend werden in diesem Zusammenhang Fragestellungen des Intellectual Property. Eventuell sind diese aber obsolet, weil das Gesamtwerk in seiner Komplexität nur von einer Person verstanden werden kann.

Ich werde das weiter beobachten.

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